Freitag, 29. Mai 2009

Sanja-Matsuri 三社祭りin Asakusa 浅草

Eins der größten schintoistischen Feste in Tokyo ist das Sanjo-O-Matsuri. Das Fest wird veranstaltet zum Andenken der drei Gründer des Senso-ji, des Tempels in Asakusa. In Japan findet man oft einen Tempel und einen Schrein auf einem Fleck. Viele Japaner fühlen sich sowohl zum Schintoismus als auch zum Buddhismus hingezogen und gehören auch beiden Religionen an. Das Festival findet jedes Jahr am 3. Mai-Wochenende statt.

Am Sonntag gegen Abend habe ich mich mit ein paar Japanern getroffen um zuzusehen wie einer der 3 Mikoshi神輿, tragbarer Schrein, zurück in den Tempel Senso-ji gebracht wird. Dies sollte allerdings erst gegen 8 Uhr geschehen daher haben wir uns zuvor durch die Menschenmassen gequetscht und die Tempelanlage angeguckt und an den kleinen Buden hier und da etwas gegessen. Anschließend sind wir noch in ein Yakitori-Laden 焼き鳥(Hähnchenspieße) gegangen wo uns ein Ojisan 伯父さん(älterer Herr) versucht hat die Kultur und den Grund des Festes näher zu bringen.

Die Hauptaussage die bei mir hängen geblieben ist, ist dass in jedem Land schon von je her ein Kräftemessen der Männer stattgefunden hat. So wie z.B. das Stier jagen in Spanien gibt es in Japan auch religiöse Feste bei denen die Manneskraft und viel Mut gefragt ist. Eine etwas ungewöhnliche aber sehr interessante Betrachtungsweise.

Bei dem Sanja-Matsuri werden die großen schweren tragbaren Schreine den ganzen Tag von verschiedenen Gruppen, die traditionelle Kleidung tragen, durch die Straßen gewuchtet Dabei geht es gar nicht mal immer um die Entfernung Zwischendurch tragen sie die mit gold beschmückte riesige Truhe von einer Kreuzung zur nächsten und zurück und bleiben immer auf den Kreuzungen stehen und schaukeln die Truhe hoch und runter. Hierbei werden, unter Jubeln der Zuschauer und Touristen, laute Gesänge ausgestoßen. Aufgrund der heftigen Schaukelei soll die Kraft des Kami (Gott) der symbolisch in dem Schrein sitzt intensiviert werden. Dies wiederum soll dann Glück bringen.

Ein sehr interessantes und witziges Schauspiel. Viele Japaner nehmen dies auch als Grund Bier zu trinken, sich zu verkleiden, halb nackt rum zu laufen und oder sich ein bisschen daneben zu benehmen.

Hierzu 2 Videos:


Ein kleiner Mikoshi in einer Seitenstraße.


Mikoshi wird durch das berühmte Tor getragen.

Freitag, 15. Mai 2009

Kyoto, Tradition und Moderne

Da, wenn man über Japan spricht, der Stadt Kyoto immer ganz besonderen Wert zugemessen wird, habe ich mal versucht den Charakter und die Bedeutung der Stadt in einem Bericht zusammen zu fassen
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Kyoto, einst die Hauptstadt Japans (794 bis 1869), liegt in einem Tal und ist von einigen Bergen umgeben. Dies führt jedes Jahr zu einem extrem heißen Sommer und zu kühlen Wintermonaten. Wie viele andere Städte ist die Stadt im Schachbrettmuster angelegt und liegt auf der Hauptinsel Honshu.
Nirgendwo sonst kann man so viele Tempel und Schreine bestaunen wie in Kyoto. Bei einem Besuch im Tempel werden die Schuhe ausgezogen und man kann für ein paar Minuten die Hektik und den Stress entfliehen der sonst in Japans Städten überall unübersehbar und unausweichlich ist. 
Auf meinen täglichen morgendlichen Weg zur Arbeit in Tokyo hetzen die Japaner an mir vorbei als wenn sie allesamt zu spät dran wären. Nicht selten legen sie, auch trotz Stöckelschuhen, auch mal einen kleinen Joggingmarathon ein. Man wird quasi mitgerissen und geht selber auch schnell und zügig. Manchmal versuche ich mich bewusst zu bremsen und sage mir: „Hallo du bist nicht zu spät, und außerdem kein Japaner“.
Zurück nach Kyoto, zurück in die Ruhe und Stille eines alten Tempels sofern er nicht gerade überlaufen ist von Touristen. Einige dieser Tempel und Schreine in Kyoto zu besuchen lohnt, denn nirgendwo sonst gibt es so viele, gut erhaltene, strahlende und schöne Tempel und Schreine in Japan. Während Tokyo das politische und wirtschaftliche Zentrum ist, ist Kyoto das traditionelle, kulturelle und historische Zentrum Japans. Jedoch unterscheidet sich Kyoto auf den ersten Blick kaum von anderen Großstädten in Japan (1,4 Mio Einwohner). In der Innenstadt drängen sich die Menschen durch die Straßen, es herrscht viel Verkehr, es dröhnt die Musik aus den Pachinkohallen, es gibt viele moderne Einkaufspassagen und auch hier beherrscht der Hightech den Alltag.
Die Tempelanlagen Kyotos an den Bergen mit den dazugehörigen Parkanalgen dagegen, können zu bestimmten Jahreszeiten, wie zur Kirschblüte oder wenn es schneit, wie wunderschöne Märchendörfer wirken. Neben den großen Tempelanlagen sind auch die kleinen Straßen und Viertel einen Besuch wert. Zum Beispiel im Stadtviertel Gion sind noch viele alte und exklusive Teehäuser, traditionell japanische Restaurants, washoku, und Geisha-Ankleidhäuser zu finden. Mit ein bisschen Glück, oder zur richtigen Zeit, kann man hier und da auch eine Geisha oder zumindest eine Maiko (eine junge, lernende Geisha) erspähen।

Die washoku’s sind oft, in mit Holz betäfelten Häusern, in den Seitenstraßen versteckt. Man ißt auf dem Tatamiboden und ist von den anderen Gästen durch Schiebewände, den so genannten Shoji, getrennt. Allerdings ist das Essen in einem washoku auch ein sehr teures Vergnügen.
Auch im Kern der Stadt kann man, neben den modernen bunten und überlaufenden Straßen, kleine enge Gassen entdecken mit alten Holzhäusern, Läden die traditionelles Handwerk verkaufen und kleine angelegte Flüße, an den sich Kirschbäume reihen. Auf der einen Seite die kleine, ruhige Straße und die Bäume, auf der anderen Seite direkt an den Fluß eine Häuserreihe. Viele der Häuser sind kleine Restaurants und Cafes. Es hat durchaus ein romantisches Flair. Auch kleine versteckte Tempel in denen die Zeit stehen geblieben zu sein scheint und wunderschön gestaltete Gärten die, wie mir ein weiser Japaner erklärte zu jeder Jahreszeit schön aussehen verzieren das Stadtbild.
Kyoto, die Stadt der vielen Tempel, Kyoto das traditionelle Japan ist für einen Japanbesuch unvermeidbar. Es gibt nicht nur schöne Tempel und Schreine sondern auch alte traditionelle Häuser, kleine Gassen, eine große Essensvielfalt und vieles mehr zu entdecken. Die Bewohner der Stadt gelten als konservativ, traditionell und sind stolz auf ihr Dialekt, ihre traditionelles Handwerk und ihre jahrhundertealten Tempel.

Samstag, 2. Mai 2009

Meine Eltern in Japan

Endlich war es so weit und ich konnte meinen Eltern mein wunderbares, schönes aber auch verrücktes und hektisches Japan zeigen. Ein Land in dem man in der überfüllten Metro mit offenen Handtaschen fahren kann ohne Angst haben zu müssen, dass etwas geklaut wird. Ein Land, das es versteht Tradition und Moderne zu verbinden. Ein Land, in dem die Toiletten eine Sitzheizung haben. Ein Land, in dem das Wahrzeichen, der Fuji-san, nicht als Berg sondern als einer von uns, also als Mensch wahrgenommen wird. Und auch ein Land, in dem die Menschen jeden Tag zu Millionen in die Geschäftsviertel von Tokyo strömen. Allein am Bahnhof Shinjuku werden jeden Tag 3,5 Millionen Menschen abgefertigt.
Zuerst haben wir uns für ein paar Tage die Sehenswürdigkeiten in Kyoto angeguckt Anschließend sind wir nach Tokyo gefahren und meine Eltern konnten ein paar Tage bei meinen Gasteltern in Wakabayashi (westlich von Shibuya) übernachten. Nach dem Wahnsinn Großstadt Tokyo haben wir uns noch ein verlängertes Wochenende auf der Insel Shikoku gegönnt, bevor meine Eltern sich wieder auf den Weg nach Hause gemacht haben.

Okonomiyaki in Kyoto
In einer ruhigen Seitenstraße von Kyoto haben wir ein sehr schönes Erlebnis in einem Okonomiyaki Restaurant gehabt. Okonomiyaki ist „bake as you like“ oder „Japanische Pizza“. Es wird auf einer freien, großen Kochplatte Kohl, Fleisch, Nudeln oder eben as you like in einer Teichmischung gebacken. Am Ende kommt das I-Tüpfelchen die süße Sauce. Das ganze wird dann noch mit etwas Mayo und Kotsuobushi (getrockneter und zerriebener Fisch) verziert. Durch die Hitze bewegt sich der getrocknete Fisch. Wir waren kaputt vom vielen Sightseeing und hatten ein bisschen Hunger. Jedoch war es halb drei und keine Essenszeit. Dennoch wurden wir freundlich begrüßt und das junge Paar machte uns unglaublich leckeres Okonomiyaki. Obwohl wir die einzigen im Restaurant waren hat es sehr viel Spaß gemacht und wir haben uns mit dem jungen Pärchen, das das Restaurant betreibt gut unterhalten. Aus einem kurzen Mittagssnack wurden 2 Stunden mit Unterhaltung, Staunen über die Zubereitung von Okonomiyaki und Kulturaustausch.
 
Yakitori in Ueno
Nach langen Bummeln durch die engen Straßen im Tokyoter Stadtteil, Ueno, mit Fischständen und Klamottenläden wollten wir eine Kleinigkeit zu Mittag essen. Mein Vater war ganz scharf auf diese Hähnchenspieße. Er meinte natürlich Yakitori. Also suchten wir einen alten typischen Yakitori-Laden. Leider war der kleine Laden völlig überfüllt doch die Bedienung schickte uns etwa 50 mtr. in eine Seitenstraße wo der Laden einen zweiten Standort hatte. Wir aßen einige Spieße mit Flisch, Lauch, Shitake usw. Mein Vater redete die ganze Zeit davon, dass zu solchen, auf den Grill zubereiteten Spießen jawohl ein ordentliches Bier gehört. Er hatte zwar recht aber meine Mutter und ich wollten nicht schon wieder Bier. Und dazu noch zu Mittag. Also haben wir ihm geraten, er solle doch Bier bestellen aber wir möchten nichts. Gegessen, bezahlt und kurz vorm aufstehen, saß sich ein älteres Ehepaar an unseren Tisch an dem vorher einige besoffene Japaner saßen die sich mit Sake am Leben erfreuten Irgendwie kam es dazu, dass wir mit dem Ehepaar ins Gespräch kamen Keine 10 min später standen drei große Flaschen Bier auf dem Tisch Mein Vater zeigte Fotos aus Stocksdorf und wir saßen mit den beiden zusammen und haben immer wieder angestoßen. Ich habe als Dolmetscher fungiert und wir versackten regelrecht in den urigen, traditionellen und verratzten Yakitori-Laden.

Unagi (Aal) essen mit meiner Gastfamilie
Besuch bei der Japanisch-Deutschen Gesellschaft
Mama mit zwei traditionell gekleideten Japanerinnen
Relaxen nach einer Teezeremonie inTakamatsu (Shikoku)
Papa und mein Freund Tetsuya in einem alten Restaurant unter den Bahnlinien

Freitag, 1. Mai 2009

Wie die Kirschblüte ein ganzes Land in den Ausnahmezustand versetzt

Die Kirschblüte ist ein unglaubliches und zugleich ein, in solchen Maße nur in Japan statt findendes Ereignis. Da alle Japaner ihre Fotoapparate raus holen und die Zeitungen voll mit Berichten stehen habe ich auch einen kleinen Bericht zum Thema geschrieben।
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Wenn in Japan die Hanami-Zeit, zu Deutsch: „Blüten bestaunen“, ansteht, spielt das Land regelrecht verrückt. Wenn man im Handy den Wetterbericht aufruft, wird man schon Monate vorher Informationen über den vermeidlichen Start der Kirschblüte finden. Im Fernsehen kann man Sondersendungen verfolgen, die sich stundenlang mit nur dem einen Thema beschäftigen.
Jedes Jahr im Frühjahr verzieren die zarten Blüten die abertausend Kirschbäume in Japan. Zuerst gehen sie im Südwesten des Landes auf. Wenn dann einige Wochen später die letzen Bäume im Nordosten, des über 3000 km langgezogenen Inselreiches, auch rosarot und weiß verziert sind, sind die Kirschblüten im Südwesten schon wieder abgefallen. Als Tourist ist es sehr schwer die richtige Zeit abzupassen. Denn je nach Wetter, ist der Start und die Länge, in der man die prächtigen Blüten bestaunen kann, zeitlich nicht genau bestimmbar. Die Erfahrung zeigt, dass z.B. auf der Hauptinsel Honshou Ende März, Anfang April, die Chance wohl am Größten ist, die volle Blüte zu erleben.
Wenn sie dann endlich da ist, gerät Japan in den Ausnahmezustand. In Tokyo strömen die Menschen zu Millionen in die Parks um die Kirschblüten abzulichten und zu bestaunen. Damit nicht genug. Es werden ausgelassene Sake-Partys unter den Bäumen veranstaltet. Die Firmen schicken ihre jüngsten schon früh morgens in die Parks um einen guten Platz, mit den blauen Planen zu markieren und zu sichern. Auch Schülergruppen, Studenten und Familien reißen sich um die begehrtesten Plätze. Dann ab den frühen Abendstunden und am Wochenende kennt die Euphorie kein Halten mehr. Das Bier und der Sake fließt in strömen und ganz Tokyo ist im Hanami-Fieber. Wenn sich die Sonne so langsam hinter den Kirschbäumen und zwischen den Wolkenkratzern sänkt, werden die vielen Lampions angemacht und die wunderbaren, heiligen Bäume werden von unten angestrahlt. Die vielen Gruppen sitzen so eng aneinander auf ihren blauen Planen, das ein Durchqueren der Parks kaum noch möglich ist. Die sonst so diszipliniert und zurückhaltenden japanischen Salarymen, die man selten in der Öffentlichkeit Alkohol trinken sieht, die stets als fleißig, höflich und strebsam gelten, sitzen alle gemeinsam unter den hellrosaweißen, prächtig strahlenden Kirschbäumen und feiern ausgelassen ihre schönste Jahreszeit.
Es hört sich vielleicht für Ausländer etwas übertrieben an aber wer einmal dabei war und die Parks, überfüllt mit feiernden Menschen und die wunderschönen, bezaubernden Bäume, die manchmal aussehen als wären sie mit Schnee bedeckt, gesehen hat, weiß wovon die Rede ist.
Und dabei tragen die Kirschbäume nicht einmal essbare Früchte. Wer in Japan Kirschen essen möchte wird wohl oder übel auf Importierte Kirschen zurück greifen müssen.
Wenn dann, nach oft nur ein bis zwei Wochen, die ersten Blüten wieder fallen und die Straßen langsam mit weißen Blüten bedeckt werden, geht die Hanami-Zeit zu ende und der Alltag kehrt wieder ein. Die Geschäfte nehmen die auf die Kirschblüte abgestimmten Produkte wieder aus dem Sortiment, die Radio und Fernsehsender wenden sich wieder anderen Themen zu und auch die Sushi-Restaurants legen ihre speziell für die Hanami-Zeit zubereiteten Sushikreationen für ein Jahr auf Eis, bevor es dann wieder heißt: Kirschblüte ein ganzes Land im Ausnahmezustand

Have a picnic in a park on Shikoku Island

Hanami in Kyoto
Wonderful view on Pacific Ocean
Beautiful hanami flower

Donnerstag, 19. März 2009

Kamakura 鎌倉

Für jeden der nach Japan kommt und es nicht schafft nach Kyoto zu fahren dem kann ich Kamakura 鎌倉 empfehlen. Kamakura liegt in der Präfektur Kanagawa und man kann viele Shinto-Schreine und buddhistische Tempel bestaunen. Das I-Tüpfelchen ist die 13,35 mtr. große, 121 Tonnen schwere Buddhastatue. Der Daibutsu 大仏. Die Statue wurde im Jahr 1252 gebaut und stand früher in einem Tempelgebäude. Dieses brannte jedoch zwei Mal ab und wurde einmal von einem Tsunami zerstört. Anschließend verzichtete man auf den Wiederaufbau. Heute steht oder sitzt der Buddha im Freien.
An einem schönen Frühlingstag bin ich mit Saori, die ab und zu bei der Japanisch-Deutschen Gesellschaft ehrenamlich hilft, nach Kamakura gefahren. Leider konnten wir nicht alles sehen und haben uns daher für Kotoku-in, ein buddhistischer Tempel und dem Daibutsu sowie für den Shinto-Schrein Tsurugaoka Hachiman-gu entschieden.



The statue of Amido Buddha at Kotoku-in

Unbelievable huge

Let the ceremony start

Praying for the new married couple

Ladies wearing Kimono

Get married today

Squirrel on the tree

Freitag, 13. Februar 2009

Mein erster Tag als “Salaryman“




Am heutigen 30. Januar sollte ich um halb 2 bei meinem neuen Arbeitgeber, der Japanisch-Deutschen Gesellschaft, sein. Ich war schon ein bisschen aufgeregt als ich mich auf den Weg machte. Die alte Praktikantin Michaela sollte mich einweisen. Ihr letzter Tag war gleichzeitig mein erster. Als ich im 9. Stock, mitten in Tokyo (Kojimachi), bei den kleinen Räumlichkeiten der JDG ankam, wurde ich gleich nett begrüßt. Michaela zeigte mir meine Aufgaben und erklärte mir wie alles abläuft. Ich werde unter anderem für die E-Mails, Übersetzen und Zusammenfassen von Texten für die Zeitung „Die Brücke“, Organisation des Stammtisches und Pflege der homepage verantwortlich sein. Trotz meiner Anspannung am heutigen Tag habe ich gemerkt, dass die Atmosphäre sehr locker ist und auch gerne gescherzt wird.
 
Um 6 Uhr sind wir, d.h. Michaela, Frau Kikuchi und Frau Miamoto, mit denen ich am meisten zusammen arbeiten werde sowie Herr Miyai, Herr Kanaya, Herr Shimazaki, Herr Shinki und ich ins Monjiayaki もんじゃ焼き Restaurant gegangen um Michaelas Abschied zu feiern. Das leckere Essen und das Bier verbreiteten eine lockere und ungezwungene Stimmung. So konnte ich mich mit den, meist älteren Herren, auch gut unterhalten. Dennoch hatte ich immer die sämtlichen ungeschriebenen Gesetze und Verhaltensweisen im Kopf, die sich im laufe meines Studiums so angesammelt haben. Z. B. schenkt man immer seinem Nachbarn das Bier ein. Es sollte nie leer sein. Oder wann und wie oft bedanke ich mich. In Japan gilt lieber einmal mehr arigatô gozaimasu als zu wenig. Dann muss immer darauf geachtet werden das man höfliches Japanisch spricht. Die nächste Frage ist wie tief verbeugt man sich bei Begrüßung und Verabschiedung. Je höher der Rang und je Älter der Gegenüber desto tiefer. So lautet die Regel. Hört sich einfach an, fällt mir aber sehr schwer, weil es so ungewohnt ist.
Im Großen und Ganzen war es ein gelungener erster halber Arbeitstag und ich freue mich auf die Herausforderung und sehe den nächsten 6 Monaten positiv entgegen.

Freitag, 6. Februar 2009

Abschluss Dokkyo

Obwohl es im Rahmen unseres Studiengangs nicht Pflicht war, möchte ich es nicht missen, an einer Japanischen Universität studiert zu haben. Die Dokkyo Universität stellte sich für mich als eine sehr gute Wahl heraus. Die Japanischen Studenten waren sehr offen, kontaktfreudig und freundlich. Ich konnte viele neue Freundschaften schließen und durch die Veranstaltungen der Universität sowie dem Beitritt des Circles um einige Erfahrungen reicher werden. Ich konnte in die so spannende und aufregende Kultur und Verhaltensweise der jungen Japaner gucken, sowie das treiben in den Straßen in einer der vielen Vorstädten Tokyos, die in den letzten 30, 40 Jahren, mit ca. 35 Mio. Menschen, zu dem größten Ballungsgebiet der Welt zusammen gewachsen sind. Es war ein unglaublich spannendes, aufregendes aber auch erfüllendes und erfolgreiches Semester an der Dokkyo Universität das ich nun mit einem weinenden Auge abgeschlossen habe. Aber ich freue mich auf die neue Herausforderung, in Form eines Praktikums, in der zweiten Hälfte meines Auslandsjahres.



Dôgo onsen 道後温泉

Das Dôgo Onsen auf der Insel Shikoku 四国blickt auf eine 3000 Jährige Geschichte als Therme zurück und lockt Onsen-Gäste aus ganz Japan an. Es ist ein öffentliches Badehaus. In der Umgebung siedeln sich viele Ryokans und Hotels an. Auf den Straßen rings herum kann man von frühmorgens bis spät abends Gäste in Yukatas und mit den Badeutensilien unterm Arm herumflanieren sehen. So haben Momoko und ich uns auch im Yukata auf den Weg über die Straße ins, vielleicht berühmteste, öffentliche Badehaus Japans gemacht. Denn selbst den Tenno verschlägt es ab und zu hier her. Er hat sogar einen eigenen Eingang ins Dôgo Onsen.
Das Badehaus liegt in der Stadt Matsuyama, in der das Leben, fernab von Tokyo, um einiges langsamer und gemütlicher vonstatten geht.
Auch der berühmte Schriftsteller Natsume Soseki hat sich das gedacht, als er, wie in seinem Buch Botchan beschrieben, 1895 nach Matsuyama ging um dort an der Matsuyama Middle School zu unterrichten. Natsume Soseki hat bis in das Jahr 2004 den 1000 Yen Schein verziert. Ein weiteres Indiz für die Ruhe und Gemütlichkeit der Stadt sind die Uralten Straßenbahnen, die oft aus nur zwei oder drei Wagons bestehen.
Von Hiroshima lässt sich Matsuyama in zweieinhalb Stunden mit dem Schiff gut erreichen und das uralte Dogo Onsen, in dem schon vor tausenden von Jahren, die Menschen sich spirituell gereinigt haben und Geist und Seele baumeln lassen haben, einen Besuch abzustatten lohnt sich.

Dôgo Onsen in Matsuyama
wishes in front of the Isaniha shrine
sunset on Shikoku

Samstag, 31. Januar 2009

Mein Engel und ich für einen Tag im Luxusleben eines japanischen Ryokan

Nachdem wir uns die Insel Miyajima 宮島 mit dem berühmten Tor im Wasser angeguckt hatten, wurden wir von einem Schoffeur zum Ryokan namens sekitei 石亭 gebracht, dass Momoko’s Mutter für uns ausgesucht und bezahlt hat. Am Eingang wurden wir von zwei weiteren im Anzug gekleideten Männern und zwei im Kimono gekleideten Damen mit tiefen Verbeugungen und Willkommensrufen begrüßt. Sie nahmen sofort unsere Rucksäcke ab und führten uns in das unglaublich schön und warm, Japanisch eingerichteten Ryokan 旅館. Die Wände waren aus Holz und es führte ein Gang aus Steinen auf dem quer Holzplatten zum bequemen Gehen gelegt wurden durch das Ryokan. Natürlich bekamen wir gleich am Eingang Japanische Hausschuhe. Es ging eine Wendeltreppe nach oben zu unserem, Zimmer oder besser gesagt Zimmern. Unser Wohnraum bestand aus drei, mit Tatami eingerichteten, und durch Papierwänden getrennten Zimmern, einem eigenen Ofuro, einem Badezimmer, Toilette, einem Vorzimmer sowie einem Espressozimmer. Eine ganze Fensterfront ließ einen herlichen Blich auf die Insel Miyajima zu.
Nach einem Spaziergang durch den Japanischen Garten und einem Onsenbad wurde das Essen serviert. Nach dem Bad zieht man sich in einem Ryokan ein Yukata, ein traditionell Japanisches Kleidungsstück, an. Vielleicht kann man sich bei der Erklärung, eine Art Bademantel, einfacher etwas darunter vorstellen. Jedoch ist der Yukata viel bedeutsamer als ein Bademantel. Man lässt ihn dann für den ganzen Aufenthalt an. Selbst wenn man durch den Garten oder auf die Straße geht. Als Zusatz, für die kalten Tage, gibt es einen zweiten Yukata und eine Art Weste obendrein.
Die im Kimono gekleidete, für uns zuständige Dame, hockte sich in dem Vorzimmer vor die Schiebetür, öffnet sie dann zunächst nur ein viertel, bis sie schließlich wieder aufstand und die Schiebetür ganz öffnet und hereinkommt. Sie servierte insgesamt 14 Gänge. Bei jedem Gang gab sie eine Erklärung, um welchen Fisch es sich diesmal handelt. Jeder Gang bestand aus 2 bis 5 kleinen Schüsseln indem der Inhalt noch einmal um einiges kleiner war. Es gab die verschiedensten Varianten Fisch, die von Austern カキ über Muscheln bis zum Karpfen コイ reichten, sowie Fleisch, Gemüse, Obst, Salat usw. Das Abendessen zog sich über 3 Stunden hin und war, nachdem man sich an die kleinen Portionen gewöhnt hatte, sehr lecker. Das Essen wurde natürlich an einem niedrigen Tisch, solange es ging im Schneidersitz und anschließend in irgendwelchen Sitzverrenkungen, eingenommen. Zu trinken gönnten wir uns Asahi Bier und zum Reis, genauso wie vor und nach dem Essen, wurde Ocha (jap.Tee) お茶 serviert. Momoko erklärte mir, dass die Japaner zum Reis niemals Bier sondern immer Tee trinken. Außerdem wird nach dem der Reis auf den Feldern abgeerntet ist, Gemüse unter die Erde gelegt, dass dort über den Winter quasi eingelegt ist. Dies Gemüse nett sich danach tsukemono 漬物. Es gehört fast zu jedem traditionell Japanischem Essen.
Nach dem Essen wurde von 2 oder 3 Bediensteten in einem der beiden großen Räumen der Futon 布団 aufgebaut. In dieser Zeit haben sie die Zimmer mit den Schiebewänden von einander abgetrennt.
Vor dem Schlafen gehen ging Momoko noch mal ins Onsen. Mir war das zuviel aber am nächsten Morgen vor dem Frühstück tat es richtig gut, sich draußen in das heiße brodelnde Onsen zu setzen und die frische Morgenluft zu genießen. Im Onsen gibt es eine Naturquelle und das Wasser ist ca. 40 Grad heiß. Das Becken dient nicht zum sauber machen sondern zur spirituellen Reinheit und für Geist und Seele. Deswegen wird viel Wert darauf gelegt das man sich vorher richtig sauber macht. Dazu stehen, außer bei öffentlichen Bädern, immer Shampoo, Body louschen, Handtücher, ein Holzgefäß , Duschkopf und Bürsten bereit. Das Holzgefäß hat seinen Ursprung, vor der Zeit der Duschen. Man füllt ihn mit Wasser und schüttet sich ihn über den Kopf. Ein kleines Handtuch wird zum abschrubben des Körpers benutzt und kann dabei ruhig richtig nass werden. Japan blickt auf eine uralte Badekultur zurück.
Das Frühstück war wieder herrlich. Es gab unter anderem eine Muschel Misusoup und gekochter Tofu. Außerdem wurde ein, eigens für Noriblätter gedachter, Grill mitserviert. Salat, Gemüse, Reis und Tee hat natürlich auch nicht gefehlt. Vor dem Auschecken habe ich mir noch 2 Espresso in der Lounch gegönnt.
Ich kann jedem der sich länger als nur für einen Kurzurlaub in Japan aufhält, ein Ryokan nur empfehlen. Leider kostet ein gutes Ryokan mindestens 10.000 Yen pro Nacht. Aber es lohnt sich es einmal gemacht zu haben.
A small store in Miyajima
Itsukushima Shrine Torii on sunset
View out of the Ryokan

Freitag, 30. Januar 2009

Abenteuer auf der Insel Sado 佐渡島



Am 18. Januar machten Flo und ich uns früh morgens auf den Weg Richtung Westen Japans. Nach einem kurzen Frühstück ging es mit den Shinkansen 新幹線 in Hochgeschwindigkeit nach Niigata (ca. 2,5 St.). Der Grund der Reise war folgender. Wir hatten ein paar Tage Zeit und wollten gerne mal die Schneelandschaft Japans sehen. Nach ca. einer Stunde fuhren wir in einen, von vielen, ellenlangen Tunnel und ich sagte zu Flo: „Pass auf wenn wir aus dem Tunnel wieder rauskommen ist alles verschneit. Ich weiß nicht genau wie ich gerade zu dem Zeitpunkt darauf kam aber es stimmte. Nach ca. 10 min. dunklen Tunnel brennte eine weiß leuchtende aber wunderschöne, verschneite Schneelandschaft in unseren Augen. Am liebsten wären wir hier gleich ausgestiegen.
Bei unserer Ankunft in Niigata 新潟 war der Himmel leider leicht bewölkt und der Schnee schien auch nicht mehr liegen zu bleiben. Bei der Touristen Information haben wir uns Prospekte über Ryokans 旅館 (traditionell eingerichtete Gasthäuser oft auch mit Onsen) und andere Unterkünfte besorgt, denn wir wussten ja noch nicht wo wir schlafen sollten. Leider stellte sich heraus das die Suche schwerer war als anfänglich erwartet. Alle Ryokans waren ausgebucht. Also landeten wir am Ende in einem Relax-Zentrum スパー, in dem man auch übernachten kann. Unspektakulär und unjapanisch.
Am nächsten Tag nahmen wir die Fähre um auf die Insel Sado zu kommen. Die Insel liegt im Japanischen Meer und hat eine Fläche von ca. 900 km2 (In etwa so groß wie die Insel Rügen). Zum Glück hatten wir am Abend zuvor ein Youth Hostel gebucht, das im japanischen Stiel eingerichtet sein sollte. Das YH befand sich an der nordöstlichen Spitze der Insel und somit nahmen einen der wenigen Busse, die zu dieser Jahreszeit fuhren. Die Insel schien verlassen und im Winterschlaf, war aber landschaftlich sehr schön. Mit dem Bus fuhren wir eine schmale Holperstraße entlang. Rechts die mit Schnee bedeckten Vulkanberge und links der Abhang mit einer Felsküste wie etwa in Scotland oder Irland. Mal ging es nur wenige Meter runter mal hundert oder mehr. Die Dörfer wurden immer kleiner und die Häuser sahen immer älter und zerfallener aus. Nach 2 Stunden Busfahrt kamen wir endlich an. Das heißt, so richtig konnten wir uns nicht vorstellen dass in diesem einsamen Kaff ein YH ist. Aber der Busfahrer deutete auf eins der Häuser. Tatsächlich, es stand ein Schild an der Scheune. YH.
Es dämmerte schon sehr und war bitter kalt. Wir tasteten uns vorsichtig von Tür zu Tür bis wir von einem Ojisan 叔父さん(älteren Herren) hereingebeten wurden. Die Obasanお祖母さんbegrüßte uns auch freundlich und wir konnten unser, traditionell eingerichtetes Zimmer, beziehen. Aus dem Fenster konnte man das Meer sehen und rauschen hören. Es war verlassen und ruhig aber wunderschön. Keine riesigen Hotelklötze und moderne Restaurants, sondern nur ein paar alte Häuser und natur pur. Nachdem wir uns noch mal für eine halbe Stunde am Strand den Wind durch die Ohren pfeifen lassen haben, gab es leckeren Tee und anschließend Abendessen. Die Obasan servierte ein typisch japanisches Essen mit Auster, Sashimi (roher Fisch), Reis, Onabe usw. Wir waren die einzigen Gäste und es war im Haus bitter kalt. Die einzigen warmen Plätze waren unser Zimmer dank des Heizers und das Esszimmer aber auch nur wenn man vor dem Heizer stand oder unter dem Kotatsu 炬燵 (japanischer Esstisch mit Heizung) saß. In der Ecke des Esszimmers standen ein Klavier und eine Gitarre. Außerdem gab es eine kleine Feuerstelle. Es sah so aus als wenn man es sich richtig gut gehen lassen kann wenn man, vielleicht zu einer anderen Jahreszeit, mit mehreren Leuten hier Gitarre spielt, zusammen sitzt und vor dem Feuer die Ruhe genießt. In den Gästebucheinträge habe ich Dinge gelesen wie: „even the meal was worth the price of the YH“. „A wonderful silent place in the middle of nowhere”. “I was warm welcomed by a friendly old couple”. oder “I came down the mountain were I was freezing all over my body and find this wonderful place with a big tasty meal”.
Am nächsten Morgen brachte uns der Ojisan mit dem Auto zu einem, in unserer Karte eingezeichneten Fußpfad, den wir dann bei herrlichem Wetter am Meer entlangliefen. Vorbei an den Futatsu game 二つ, zwei Felsen die so aussehen wie zwei Schildkröten. Die Gipfel der Berge waren mit Schnee bedeckt, die Wellen peitschten in die Felsenküste und wir durchquerten Dörfer eins einsamer als das andere. Ab und zu sah man einen Fischer in seinen Gummistiefeln lang watscheln oder eine alte Frau brachte Wäsche zum Aufhängen nach draußen. Als wir in Washizaki 鷲崎 ankamen, mussten wir noch 2 Stunden auf den einzigen Bus warten. Zufällig sah Flo jemanden in eine Art Geschäft reingehen, sonst hätten wir wohl gar nicht gewusst, dass der Laden geöffnet hat. Als wir die etwas mollige Dame fragten ob den ein Restaurant oder etwas ähnliches geöffnet hätte, sagte sie nach kurzem zögern: „Nein aber mein Mann kann Ihnen Ramen ラーメンmachen“. Na das war doch was. Leckere Ramen nach 3 bis 4 Stunden wandern. Das Geschäft bot verschiedene Lebensmittel und weiter hinten, wo auch ein Tisch mit ein paar Stühlen stand, an dem ich die Ramen aß, hingen überall gruselige Masken an der Wand. Sie waren wohl für Theaterstücke, Kabuki, oder so.
Abens ging es dann mit dem Schiff zurück aufs Japanische Festland und mit dem Shinkansen zurück in die an Menschenmassen zu ersticken scheinende Weltmetropole Toyko.