Donnerstag, 4. Dezember 2008

Flo und Mambu essen sich durch Japan

Da das Essen eine sehr zentrale Rolle einnimmt und uns jeder in Japan und zu Hause danach fragt, dachten wir, widmen wir dem Thema einen ausführlichen Bericht.
Morgens zum Frühstück sind wir noch nicht so Japanisch und begnügen uns mit Toast und Kornflakes. Am Wochenende jedoch gönnen wir uns ab und zu eine ordentliche Portion Rührei mit Speck! Und dazu einen starken Kaffee und Orangensaft. Wochentags nutzen wir zu Mittag das reichhaltige und preisgünstige Angebot der Dokkyo-Mensa. Hier gibt es eine Auswahl von Spaghetti Bolognese, über Soba, Udon, Ramen, Curryreis und Gyudon bis zum Dokkyo-Lunch.
Obwohl es eine Vitrine mit den entsprechenden, in Wachs gegossenen, Gerichten gibt, war es am Anfang jedoch ein beschwerlicher Weg bis zur Essensausgabe.

Denn zunächst muss man sich die Art bzw. Namen des Gerichts merken, am Automaten das entsprechende Ticket ziehen, um dann die richtige Ausgabestelle zu finden.
Diese sind geordnet nach Chinesischen Nudeln, Japanischen Nudeln, Reisgerichten auf flachen Tellern, Reisgerichten in Schalen und Pasta. Mittlerweile haben wir allerdings den Clou raus. Jedoch muss man dann die nächste Hürde nehmen und einen Sitzplatz in der völlig überfüllten Mensa finden. Die Japaner und Japanerinnen legen gerne mal ihre sämtlichen Handtaschen, ja auch die Japaner, auf 10 Plätze obwohl sie nur zu viert oder so sind. 


Und wenn einem das japanische Essen nicht mehr genügt kann man sich auch bei dem zur Mensa gehörigen McDonalds ein setto (Menü) kaufen. Um nicht während des Unterrichts, nach der Mittagspause, einzuschlafen, gönnen wir uns regelmäßig einen leckeren Kaffee oder Kaffee Mocca aus dem Style-Cafe im Unigebäude.
Gegen Abend gehen wir für gewöhnlich beim Value Supermarkt der sich gleich um die Ecke des Wohnheims befindet einkaufen. Meistens gehen wir erstmal direkt zur Fleischtheke und suchen uns eine ordentliche Portion Rind- oder Schweinefleisch aus. Dieses ist in Japan fast immer in längliche, dünne, mundgerechte Scheiben geschnitten. Als Beilage, fürs Auge, dienen meistens Karotten, Lauch oder auch mal Brokkoli (aber nie alles auf einmal). Wieder zu Hause wäscht Flo erstmal den Reis und Mambu widmet sich dem jungen Gemüse. Während der Reis brodelt, kommt das leckere Fleisch in die Pfanne. Kurze Zeit später kommt das Gemüse hinzu und das ganze wird mit einer leckeren yakiniku Soße oder einer selbst gemachten Ingwar-, Zucker-, Soja- und Sake-Soße abgerundet. Das ganze wird dann wie folgt aus Schalen gegessen. Erst der Reis und dann das Fleisch mit dem Gemüse. Selbstverständlich mit Stäbchen!


 

Ab und zu suchen wir aber auch eins der vielen, sich in der Nähe befindlichen, Restaurants auf. Da wären z.B. die Preisgünstige Sobabar (japanische Buchweizennudeln), der traditionelle Ramenladen (chinesische Nudeln) oder die etwas teureren aber leckeren yakiniku (gegrilltes Fleisch) und shabushabu (in Sud gekochtes Fleisch) Restaurants. Und falls uns mal der große Hunger übermannt gibt es ja immer noch ein tabehodai (all you can eat). Das Sushirestaurant wird nur selten Besucht.
Ab und zu lassen wir uns auch von netten japanischen Studentinnen in die Welt der japanischen Kochkünste einweisen. Abgesehen davon dass sie nicht wussten wie man ohne einen Reismessbecher Reis kocht, war es bisher immer sehr lecker. So wurde uns auch gezeigt wie man, das aus der Kansairegion stammende Gericht takoyaki (gebackener Oktopus) zubereitet. Auf der Suche nach einem überzeugenden Dessert sind wir bisher kläglich gescheitert. In Japan gibt es zu unseren bedauern keine Nachtischkultur. Die zehnmal eingepackten, viel zu kleinen Schokoladenkekse sind nicht nur teuer, sondern auch oft nicht so schmackhaft.


Flo und Mambu

Donnerstag, 27. November 2008

Besuch bei Familie Sakamoto

Heute Mittag hat mich meine alte Freundin Megu Sakamoto 坂本 die ich vor 5 Jahren im Englischen Brighton kennen glernt habe, mit dem Auto abgeholt. Ihr Vater ist Polizist und ihre Mutter vermutlich Hausfrau. Nachdem wir zusammen ein Geschenk für den Geburtstag ihrer Verwandten gekauft haben sind wir Purikura machen gegangen.
Purikura sind kleine verrückte Fotos die man in so einer Art pink, bunten, verrückten Fotoautomaten machen kann. In die Fotokabine passen allerdings bis zu 10 Personen rein. Belichtung, Hintergrund usw. ausgewählt, die richtige Positur eingenommen und los geht’s. Zwischendurch kann man die Einstellungen ändern und am Ende geht man in eine Nebenkabine und kann dort seine Fotos bearbeiten und verzieren. Hierzu stehen tausende verschiedene Arten von Herzen, Bildern, Figürchen, Schleifen usw. zur Verfügung. Man kann auch Grüße, Wünsche, Erinnerungsworte oder sonst etwas drauf schreiben.
Als wir bei Ihren Eltern ankamen haben wir uns ein Video angesehen und anschließend mit den Eltern sukiyaki すき焼き gegessen. Sehr interessant war der Tisch den Sie im Wohnzimmer stehen haben. Das Ding nennt sich kotatsu 炬燵 . Der heutige Kotatsu besteht aus einem niedrigen Tischgestell, in dem eine elektronische Heizung eingebaut ist und einer Decke die zwischen diesem Gestell und der darüber befindlichen Tischplatte geklemmt wird. Die Decke reicht auf allen Seiten bis auf den Fußboden. Sie isoliert die erzeugte Wärme. Die Decke ist schön dick und kuschelig. So etwas hab ich noch nicht gesehen 見たことがない Ich könnte es mir allerdings für meine eigene Wohnung später gut vorstellen.
In Japan haben die meisten Wohnungen keine Zentralheizung. Alternativ werden manchmal Ölöfen, Fußbodenheizungen oder Heizstrahler benutzt. Aber vielen, wie auch in meinem Fall, bleibt nichts anderes über als die Klimaanlage aufzudrehen. Die Isolation ist allerdings so schlecht, dass die Wärme nicht lange anhält.
Die Eltern waren sehr nett und haben mich wie schon im letzten Jahr mit Geschenken überhäuft. 5 Paar warme Socken für den Winter, die ich dringend brauchte, zwei kleine Schlüsselanhänger, ein Armband, einen Schal und eine kleine Torte die ich mit Megu für einen Geburtstage gebastelt hatte. Besser gesagt wir haben zwei gebacken eine für den Gebrutstag und eine für mich. Das wusste ich allerdings zu dem Zeitpunkt noch nicht. Außerdem haben wir über alte Zeiten gequatscht.

Freitag, 14. November 2008

Senso-ji Tempel

Heute habe ich mir nach einem anstrengenden Bewerbungsgespräch den Senso-ji Tempel in der Abenddämmerung angeguckt. Anschließend habe ich mir ein schönes Bier gegönnt. Der Senso-ji Tempel ist der älteste und vielleicht auch der bekannteste buddhistische Tempel von Tokio und liegt im Stadtteil Asakusa.
Asakusa war früher das Unterhaltungsbezirk von Tokio, in dem sich Kabuki- und Rakugo-Theater ansiedelten. Mir sind viele interessante Restaurants, Souvenirgeschäfte und kleine Stände in denen man Handwerkern zusehen kann aufgefallen. Es soll auch viele Ryokans in Asakusa geben. Ein Ryokan ist ein traditionell eingerichtetes japanisches Hotel. Außerdem hab ich mich mal ein bisschen als Fotograf versucht und dabei auf die Tipps meines Bruders zurück gegriffen.




 

Mittwoch, 5. November 2008

Bunkasai / Kulturfest

An diesem Wochenende war an unserer Universität, wie auch an vielen anderen das Bunkasai (Kulturfest). Deswegen hatten wir auch am Mo. Und Di. frei.


Am Montag morgen machten Flo und ich uns schon früh auf, um Yukari beim Saxofon spielen zu zuhören. Sie spielte draußen im Park der Uni. Unter anderem auch Tequila von den Champs. Es ist unglaublich, was die Uni für Club und Circle Aktivitäten anbietet. Und so gut wie jeder Japaner gehört auch mindestens einem Club an. Ab Mittag habe ich dann meinem Futsal-Circle geholfen beim オムそば (Omusoba) verkaufen. Auch im Zubereiten war ich gar nicht schlecht. Omusoba sind angebratene Nudeln (Soba), Kohl und Fleisch mit ein bisschen Gewürz. Dann werden zwei Eier vermischt und auf der großen Platte angebraten. Hier werden Nudeln, Fleisch und Kohl hineingewickelt. Ein bisschen Soße obendrauf und dann für 350 Yen verkauft. Das Kochen hat sehr viel Spaß gemacht. Die Handlangerarbeiten nicht ganz so viel. Anschließend konnten wir alle von dem verdienten Geld zum Nomihodai gehen. (All you can drink + Häppchen) Dazu gleich mehr.

Ansonsten sah das Fest so aus, dass die meisten Circles und Clubs Essen zubereiteten und in so kleinen Ständen verkauften. So ein bisschen wie auf dem Rummel. Andere Clubs boten Musik oder Kampfkunstvorstellungen an. Neben des Saxofons sahen wir noch echt gute Pianisten, Break Dancer, Akidokämpfer und verschiedene Sänger.
 
Ein bisschen nervig war, dass die Japaner immer mit Pappschildern rum liefen und laut und ziemlich direkt ihr Essen anpriesen. Aber das war wohl nur Gewöhungssache. Am Ende bin ich dann selber mit zwei anderen vom Futsal-Circle rum gelaufen und habe gerufen: „ Omusoba ikagadesuka... “.オムそばいかがですか。。。
Um 8 ging es dann zum Nomihodai. Ein großer Raum nur für unseren Circle, den wir vorher gemietet haben. Es war ein typisch japanischer Raum mit Tatamimatten, sehr niedrigen Tischen und ohne Stühle. Ich saß neben unseren Captain der mich dann bat aufzustehen und zu sagen: „みんなさん、今日はたくさんオムそば払ったね。ありがとうございます。かんぱい!“. Leute wir haben heute sehr viel Omusoba verkauft. Vielen Dank Prost! Oder so ähnlich. Nach zwei Stunden Bier, Cola, Sushi, frittiertem Fleisch und verrückten japanischen Spielen die ich nicht verstanden habe, sind einige von uns weiter gezogen in die, in Japan erfundene, Karaokebar. Für mich in Japan das erste Mal. Ich wusste nicht, dass Gjingis khan so ein schnelles Lied ist, aber ich bin auch bei allen anderen Liedern kläglich gescheitert. Aber es hat viel Spaß gemacht.


 Na dann mal Kampai. Um so mehr Bier bleibt für mich über.


 Na, die beiden kennt man doch noch aus alten Zeiten.


 Das ist unser Omusoba- Stand.


 Die Akido-Meister üben ihren Sport aus.


 Das hab ich mir nicht nehmen lassen.


 Die Japaner lieben Disney, egal ob in Disney Land oder an der Uni.

Dienstag, 7. Oktober 2008

Fujitour


Für 1800 Yen zum Fuji incl. Lunchpaket (Obento お弁当) und Trinken. Dieses Angebot von der Dokkyo Uni konnten wir uns nicht entgehen lassen. Also machten wir uns am Samstagmorgen um 7 Uhr mit dem Bus auf dem Weg. Schlafen und Relaxen im Bus war allerdings Fehlanzeige. Kaum abgefahren, schon holten die japanischen Organisatorinnen die Mikros raus und wir mussten uns alle einzeln vorstellen. Auf Japanisch natürlich. Das kam dann doch schon etwas überraschend. Das Mikro geht der Reihe nach rum und jeder sagt, wie er heißt, was er studiert und was ihm noch so einfällt.
Nach 3 Stunden Fahrt kamen wir am Fuji an. Leider konnten wir nicht auf den Fuji, da die Saison bereits zu Ende war. Aber wir machten stattdessen eine Wandertour auf einem gegenüberliegenden Berg und konnten, dank des guten Wetters den Fuji teilweise sehr gut sehen. Oben angekommen haben wir uns dann alle über unser Obento hergemacht.
Die nächste Station war ein altes Dorf quasi zu Füßen des Fujis. Alte traditionelle Häuser und interessante Gärten schmücken das Dorf. Man konnte in den Häusern Souvenirs kaufen, kleine Figuren basteln oder sich massieren lassen. Die Reise hat sich sehr gelohnt, da man viel gesehen hat, nicht viel Geld ausgegeben hat und neue Kontakte knüpfen konnte.

Dienstag, 30. September 2008

Bilder


Unser Klassenraum mit Stühlen die Räder haben. Das ist ja ganz praktisch, aber wenn der Tisch auch Räder hat und immer wegrollt, kann das schon ziemlich nervig werden. Außerdem sind die Klassenräume mit Hightech-Anlagen, Klimageräten und zwei Tafeln, eine auf jeder Seite, ausgestattet.


Apfelsaft mit roten und blauen Äpfeln. Hä Moment Grün oder Blau, was denn nun. Das Kanji sagt rot und blau die abgebildeten Äpfel sehen aber rot und grün aus. Spinn ich jetzt oder die Japaner. Das Ampelmänchen ist hier auch blau obwohl es grün ist. Ok lassen wir das.


In Japan werden ca. 80 Prozent des Bieres in Dosen abgefüllt, wie man hier gut sehen kann. Löwenbräu, Becks usw. hab ich auch schon gesehen. Das berühmte Oktoberfest in Tokyo findet ab nächstes Wochenende statt. :-) Mal gucken, wie groß die Biergläser sind und wie viel die Japaner so vertragen.

Donnerstag, 25. September 2008

first week


Ich bin jetzt seit gut einer Woche in Japan und habe mich so langsam eingelebt. Heute hat die Uni begonnen und ich habe auch schon das erste Erdbeben miterlebt.
Am Samstag morgen gegen 7 hab ich im Halbschlaf ein kleines Rütteln gespürt, bevor ich wieder einnickte. Am nächsten Tag hatte ich es total vergessen bis die anderen davon erzählten. Dann konnte ich mich erinnern, dass der Kleiderschrank gewackelt hat und ich hab nicht so richtig realisiert warum. Bin mal gespannt was da noch so kommt...
Im Supermarkt bzw. Konbini weiss man nicht, was man kaufen soll, weil fast alles in Folie eingeschweißt ist und man nicht erkennen kann, was drin ist. Und zum Frühstück schon Reis zu essen ist dann doch zu oft.
Am zweiten Tag der Einführungswoche mussten wir nach Tokyo zum Gesundheitscheck reinfahren und konnten gleich die rush hour life miterleben. Es muss in der rush hour in Tokyo nicht um die Sitzplätze, sondern um die Stehplätze gekämpft werden. Nur die Männer mit den weißen Handschuhen, die die letzten Leute noch mit Gewalt in die Bahn drücken, bevor die Türen schließen, haben noch gefehlt.

Sayonara Party

Jetzt zähle ich nur noch die Stunden bis es los geht. So langsam werde ich auch richtig nervös. Das kenne ich gar nicht von mir. Am Mittwoch morgen werde ich in Narita (Tokyo) ankommen.

Ich freue mich, dass ich nocheinmal mit euch feiern konnte. Und vielen Dank für die Geschenke. "arigato"

Mittwoch, 24. September 2008

culture shock

culture shock

Kanjihölle, Menschenmassen, ständige Lautsprecherdurchsagen, beheizbare u. sprudelnde Toiletten mit Bedienungsanleitung , hohe Luftfeuchtigkeit

ja da kann man schon von culture shock sprechen.